Univ.-Prof. Dr. Christian Schubert (Innsbruck)

Was hat der biopsychosoziale Paradigmenwechsel in der medizinischen Forschung mit der Sportpsychologie zu tun?

Die Ergebnisse der medizinischen Grundlagenforschung der letzten Jahrzehnte verweisen auf einen hohen Grad der Vernetzung zwischen Nerven-, Hormon- und Immunsystem. Die Untersuchung dieser Funktionsnetzwerke in Abhängigkeit von der psychosozialen Umwelt des Menschen stellt eines der Kernthemen der Psychoneuroimmunologie (PNI) dar. Um komplexe, biopsychosoziale Forschungsfragen jedoch ökologisch valide untersuchen zu können, benötigt es eine kritische Auseinandersetzung mit dem mechanistisch-reduktionistischen Goldstandard der medizinischen Forschung, dem randomized controlled trial (RCT)-Design. Es wird mit der „integrativen Einzelfallstudie“ ein biopsychosozialer Forschungszugang vorgestellt, der es erlaubt, komplexe Funktionszusammenhänge beim Menschen in seiner gelebten Alltagswelt („life as it is lived“) zu analysieren. Mögliche Anwendungsbereiche für die sportpsychologische Forschung werden diskutiert.

 

Curriculum Vitae

Christian Schubert, geb. 1961, Studium der Medizin und Psychologie in Innsbruck. Masterstudium ärztlicher Psychotherapeut (psychodynamische Psychotherapie). 1991–1994 Ausbildung zum Facharzt für Labormedizin. Seit 1995 Leiter des Labors für Psychoneuroimmunologie der Universitätsklinik für Medizinische Psychologie Innsbruck. Seit 2003 Leiter der Arbeitsgruppe „Psychoneuroimmunologie“ des Deutschen Kollegiums für Psychosomatische Medizin (DKPM). Seit 2013 im Vorstand der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM). Autor zahlreicher Artikel für Fachzeitschriften und Buchkapitel, Herausgeber u. a. des Lehrbuchs „Psychoneuroimmunologie und Psychotherapie“ (Schattauer 2015).