Univ.-Prof. Dr. Ralf Brand (Potsdam)

Sentio ergo sum - Affekt als Basis der Verhaltensänderung

Ich fühle, also bin ich. Aber wie fühlen sich Menschen, wenn sie sich bewegen und Sport treiben eigentlich? Immer gut? Oder nachher besser als vorher? Und wirkt sich das auf die Motivation, auch in Zukunft körperlich aktiv zu sein, aus?

Motivationspsychologische Untersuchungen basieren bis heute vor allem auf kognitiv-behavioralen Vorstellungen, denen zufolge Menschen gute Verhaltensentscheidungen (schließlich) oft und vor allem auf Basis rational-vorausschauender und vernünftiger Überlegungen treffen (können). Die Bedeutung des momentanen affektiven Gefühlszustands für die Verhaltenssteuerung wurde auch in der Sportpsychologie in den vergangenen Jahrzehnten systematisch unterschätzt. Auch und gerade im Kontext von Fragestellungen zum Gesundheitsverhalten. Ausnahmen, die beispielsweise auf Kuhl (1983) basieren, bestätigen die Regel.

Vor diesem Hintergrund verfolgt das vorliegende Positionsreferat das Ziel, vor allem auf die theoretischen, aber auch auf die methodischen bzw. empirischen Limitationen von vergangener und aktueller Forschung hinzuweisen. Dieser Hinweis erfolgt in drei Abschnitten: (1) Es werden theoretische Strömungen der Vergangenheit und Gegenwart (sport-)psychologischer Forschung zur Verhaltensregulation reflektiert und dabei insbesondere der Stellenwert affektiver Prozesse hinterfragt. (2) Anhand exemplarischer, empirischer Zugänge wird kritisch diskutiert, welche Rolle affektive Prozesse in der derzeitigen Forschung spielen und wie sie methodisch gestaltet werden kann. (3) Es werden Perspektiven für zukünftige theoretische und empirische Arbeiten entwickelt, die die Rolle affektiver Prozesse im Rahmen der Verhaltenssteuerung verstärkt berücksichtigen.

 

 

Curriculum Vitae

Prof. Dr. Ralf Brand ist Professor für Sportpsychologie an der Universität Potsdam und außerdem Affiliate Professor of Kinesiology an der Iowa State University (USA). Er ist staatlich geprüfter Sport- und Englischlehrer (1. Staatsexamen) und Diplom-Psychologe. Seit 2012 agiert er als Geschäftsführender Herausgeber des German Journal of Exercise and Sport Research (Sportwissenschaft). Ralf Brand publiziert regelmäßig zu Themen des Gesundheitsverhaltens, zuletzt vor allem zur Bedeutung von automatischen und affektiven Prozessen im auf Sport und Inaktivität bezogenen motivationalen Geschehen.