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Praxisworkshops

Die Anmeldung zu den Praxisworkshops erfolgt im Rahmen der Registrierung zur Tagung.

Für die Teilnahme werden je Praxisworkshop (90 Minuten) 2 UE als Fortbildungsmaßnahme vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft und der Arbeitsgemeinschaft für Sportpsychologie e.V. anerkannt.

Für 60-minütige Workshops wird 1 UE anerkannt.

Die Workshop-Teilnehmer/innen erhalten jeweils entsprechende Teilnahmebestätigungen, auf denen die Fortbildung-Credits ausgeweisen sind.

Eltern haben eine entscheidende Funktion für eine gelingende Entwicklung und Sozialisierung ihrer Kinder im Sport. Sie tragen Verantwortung für das Wohlergehen ihrer Schützlinge, übernehmen viele Verpflichtungen im sportlichen Umfeld und unterstützen auch dort, wo die gestellten Herausforderungen das Mass des Ertragbaren erreichen. Nach dem Modell von Fredricks und Eccles (2004) sind es insbesondere drei Rollen, die für die Initiierung von sportlicher Aktivität und das Dabeibleiben im Sport entscheidend sind. Eltern mit einem persönlichen Bezug zum (Spitzen-) Sport sind sportliche Vorbilder und beeinflussen dadurch Einstellung und Verhalten massgeblich. Sie agieren dabei häufig auch als Interpreten, indem sie aufgrund ihrer sportlichen Erfahrung das Handeln ihrer Kinder entsprechend wahrnehmen, beschreiben und beurteilen. Schliesslich treten Eltern auch in der Rolle eines Unterstützers auf, indem sie die Jugendlichen in ihrem Tun bestärken, fördern und mitunter den (entscheidenden) finanziellen und menschlichen Support bieten. Im sportlichen Alltag greifen die beschriebenen Elternrollen ineinander und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Basierend auf diesem ursprünglichen Rollenverständnis begleiten Eltern ihre Kinder entlang den gestellten Entwicklungsaufgaben (soziale Identität, Autonomie, Selbstwirksamkeit, Peers etc.) in einem Umfeld, das zunehmend durch die digitale Welt bestimmt wird. Jugendliche interagieren heute über Social-Media-Dienste und wollen Teil der Online-Communities sein: nach James (2018) haben 94% der CH-Jugendlichen bei mindestens einem sozialen Netzwerk ein Profil, über 90% nutzen diese Netzwerke täglich. Es gelingt ihnen dort leicht, Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen und Zugehörigkeit zum digitalen Freundeskreis zu entwickeln. Die Lust nach schnellen „Erfolgserlebnissen“ (likes) und das Gefühl des Dazugehörens dürften dabei ebenso wesentliche Treiber sein wie die Tatsache, dass sich Jugendliche in der Online-Community meist von Erwachsenen ungestört und unbeobachtet bewegen können. Aus Sicht der angewandten Sportpsychologie manifestieren sich hier neue Herausforderungen im Trend von self-enhancement und sozialen Medien, die im Rahmen des geplanten Workshops „Elterncoaching 4.0“ aufgegriffen werden sollen. Der interaktiv angelegte Workshop widmet sich insbesondere der Frage, inwiefern sich die Sozialen Medien - neben Familie, Schule und den Peers - zunehmend auch im Sport als wichtige „Sozialisationsinstanz“ installiert haben. Anhand von praktischen Beispielen wird aufgezeigt, wie Eltern im „Handling“ dieser Sozialinstanz begleitet werden können. Letztlich soll damit erreicht werden, dass sich die geforderten Entwicklungsaufgaben von Kindern und Jugendlichen auch mit Einbezug der sozialen Medien in eine gesunde Richtung bewegen können.

Hanspeter Gubelmann, ehemals Leistungssportler, Trainer und Sportlehrer, hat langjährige und vielfältige Praxiserfahrungen in unterschiedlichen Handlungsfeldern des Sports gesammelt. Aktuell ist er im Teilpensum am Institut für Verhaltenswissenschaften der ETH Zürich in der Ausbildung zukünftiger SportlehrerInnen engagiert. Daneben betreut er als Sportpsychologe seit mehr als 25 Jahren zahlreiche Spitzensportler in den verschiedensten Sportarten. Obwohl die individuelle Leistungsoptimierung häufig im Vordergrund seiner Tätigkeit steht, liegt ihm stets auch die Eigenverantwortlichkeit in der Persönlichkeits- und Autonomie-entwicklung am Herzen.

Cristina Baldasarre, ehemalige Leistungssportlerin und Trainerin, hat langjährige und vielfältige Praxiserfahrungen in mehreren Gebieten des Sportes gesammelt. Zur Zeit arbeitet sie als selbstständige Sportpsychologin und hypnosystemische Psychotherapeutin in eigener Praxis. Sie betreut seit über 20 Jahren zahlreiche Breiten- sowie Leistungssportler aus unterschiedlichsten Sportarten mit Schwerpunkt kompositorische Sportarten und Kinder/Jugendliche. Zudem betreut sie ihre 13-jährige Tochter, die intensiv Eiskunstlaufen betreibt. Ihr Schwerpunkt liegt stets darin, die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen, eine zentrale Voraussetzung, um konstant hohe Leistungen erbringen zu können.  

Sportmannschaften sind dynamische Systeme, die stark von einer sportpsychologischen Begleitung profitieren können. Ein systemisches Verständnis des Teamprozesses versteht dabei die Sportler*innen selbst als die eigentlichen Experten*innen ihrer Entwicklung als Team. Innerhalb der sportpsychologischen Betreuung stellt sich demnach die Frage, wie ein Team darin unterstützt werden kann, für den eigenen Teamprozess Verantwortung zu übernehmen.

Als mögliche Herangehensweise eignet sich eine zentrale Methode aus systemischen Beratungskontexten: die Verwendung von Metaphern. Manchmal ist zum Beispiel ein Team zu Beginn einer Qualifikationsphase zunächst mit Lichtgeschwindigkeit unterwegs, bevor das gemeinsame Boot in eine kräftige Gegenströmung geraten zu sein scheint.

(Sprach-)Bilder und Geschichten ermöglichen in der Arbeit mit Teams eine gemeinsame Sprache, die häufig scheinbar spielerisch einen Perspektivenwechsel erlaubt. Im Workshop werden verschiedene Beispiele der Verwendung von Metaphern in der sportpsychologischen Betreuung von Teams vorgestellt, ausgetauscht und diskutiert.

Nina Jokuschies (SUI), Dipl.-Psych. Dr., Sportpsychologin des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) und in eigener Praxis in Neuchâtel und Bern (www.jokuschies.com). Nina Jokuschies arbeitet seit über 10 Jahren als Sportpsychologin im Leistungs- und Spitzensport. Sie betreut u.a. seit 2013 das Schweizer Fußball Nationalteam der Frauen in den Qualifikationsphasen für Europa- und Weltmeisterschaften und nahm als Sportpsychologin an der WM 2015 in Kanada und der EM 2017 in den Niederlanden teil. Sie absolvierte die Weiterbildung zur Sportpsychologin (asp) und zur Systemischen Beraterin (isb), zudem ist sie seit 2018 in Ausbildung zur systemischen Psychotherapeutin. Ihre Dissertation zur Talententwicklung verfasste sie am Institut für Sportwissenschaft der Universität Bern.

Psychische Gesundheit ist auch im Spitzensport eine anzustrebende Grösse. Deren Förderung und Erhaltung ist daher in der sportpsychologischen Beratung ein wichtiger Bestandteil. Im Spitzensport sind nebst generellen Stressoren sportspezifische Belastungen zu bewältigen. Bei vulnerablen Athletinnen und Athleten können diese Stressoren den Ausbruch einer psychischen Störung begünstigen. Dies insbesondere dann, wenn wichtige Ressourcen wie beispielsweise ein gut funktionierendes soziales Netzwerk fehlen. Weil die wichtigsten Bezugspersonen in sportpsychologischen Beratungen oftmals nicht persönlich anwesend sein können, eignen sich systemisch-lösungsorientierte Interventionen mit ihren multiperspektivischen Ansätzen in sportpsychologischen Beratungen. Dadurch können Perspektiven von nicht direkt anwesenden Personen in die Lösungsfindung miteinbezogen werden.

Gemäss dem Diathese-Stress-Modell von Ingram und Price (2001) sind zusätzlich zu persönlichen Prädispositionen aktuelle Belastungen und Stress für die Entwicklung von psychischen Störungen erforderlich. Neben allgemeinen Stressoren haben Spitzensportlerinnen und Spitzensportler zusätzliche sportspezifische Herausforderungen zu bewältigen (Jones & Tenenbaum, 2009). Sportimmanente Stressoren (z.B. Leistungsdruck) können bei vulnerablen Athletinnen und Athleten zu psychischen Störungen führen. Dies ist umso wahrscheinlicher, je mehr wichtige Ressourcen wie persönliche Stärken (z.B. Coping Strategien) oder ein tragfähiges soziales Netzwerk fehlen (Ingram & Price, 2001). Ein tragfähiges soziales Netzwerk ist daher im Sportkontext eine wichtige Ressource. Da Sportlerinnen und Sportler stets Teil mehrerer sozialer Systeme sind, erscheint ein systemischer Ansatz zum Erhalt und zur Förderung der psychischen Gesundheit im Spitzensportkontext gut geeignet.

In diesem Praxisworkshop werden wir uns mit dem Thema systemisch-lösungsorientierte Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern befassen. Weil es im Spitzensport zusätzliche Stressoren gibt, ist es für die Teilnehmenden ein Mehrwert, diese Zusammenhänge zu verstehen. Dazu braucht es Erklärungsmodelle:

1. Das Diathese-Stress-Modell

2. Das Systemisch- lösungsorientierte Erklärungsmodell

werden in diesem Workshop kurz erklärt werden. Die Teilnehmenden werden Praxisübungen durchführen und Rollenspiele spielen. Sie werden 4 Techniken kennenlernen und selbständig damit üben können. Verhaltensänderungen sind oftmals durch bestehende Systeme erschwert. Die Teilnehmenden werden systemisch-lösungsorientierte Interventionen mit multiperspektivischen Ansätzen kennenlernen, ohne dass die wichtigsten Bezugspersonen in der sportpsychologischen Beratung anwesend sein müssen. Wir diskutieren Möglichkeiten und Grenzen, welche diese Interventionen in einem leistungsorientierten Sportkontext haben könnten. Die Teilnehmenden reflektieren darüber, wie sie ihre Erkenntnisse in die eigene Beratungspraxis mit Sportlerinnen und Sportlern integrieren können.

Erika Ruchti, Jahrgang 1975, hat Psychologie und Sport/Sportwissenschaften in Bern studiert und ein DAS in Sportpsychologie absolviert. Frau Ruchti lebt in Busswil und arbeitet seit 2009 zu 60% als Sportpsychologin an der EHSM, am BASPO. Frau Ruchti ist langjähriges Mitglied der SASP und der FSP. 2018 hat sie eine Postgraduale Psychotherapieweiterbildung in systemisch-lösungsorientierter Therapie abgeschlossen und arbeitet seit 2019 zusätzlich 40% delegiert als Psychotherapeutin in einer psychiatrisch/psychologischen Praxis.

Regelmäßige, sportpsychologische Intervisionstreffen zeigen im Kern oftmals dieselben Herausforderungen in der praktischen Sportpsychologie: Der Platz und die Rolle von SportpsychologInnen hängen einerseits von der eigenen Rollendefinition und andererseits auch von den Forderungen des AuftraggeberInnnen-systems ab (Leber, 2013). Einhergehend mit der Rollendefinition und mit der Tatsache, dass eine umfassende sportpsychologische Dienstleistung auf verschiedenen Wirkebenen (organisationaler Ebene, Inter-Gruppen-Ebene, Intra-Gruppen-Ebene und individueller Ebene) stattfinden soll (Fletcher & Wagstaff, 2009) kann die sportpsychologische Arbeit mit unterschiedlichen Interessensgruppen (AthletInnen, Betreuerteam, Management, weitere Personen im sportlichen Umfeld,..) zu unterschiedlichen Wahrnehmungen sportpsychologischer Interventionen führen (Leber, 2009). Somit kommt es in der sportpsychologischen Arbeit oftmals vor, “dass verschiedene am Dienstleistungsprozess direkt oder indirekt beteiligte Interessensgruppen, deren Interessen nicht unbedingt deckungsgleich sind, am Prozess und am Ergebnis interessiert sind” (Leber, 2013, S.37). Eine zielorientierte Optimierung auf allen Organisationsebenen stellt zumindest auf lange Sicht einen Beitrag zur Leistungsoptimierung dar (Leber, 2013), eine der Hauptaufgaben der Sportpsychologie (Immenroth, Eberspächer & Hermann, 2008).

Um diesen Herausforderungen zu entgegnen kann der Ansatz der Systemtheorie für die sportpsychologische Betreuung dienlich sein (Leber, 2013). Auf Basis dieser Überlegungen war es dem Verein Sportpsychologie Steiermark ein Anliegen, ein Pilotprojekt mit einer holistischen Betreuungsphilosophie durchzuführen.  Als Klienten konnten wir einen Top Verein aus der Steiermark gewinnen, dessen 1. Mannschaft in der Bundesliga der betreffenden Sportart spielt. Aus Sicht des Sportvereins war die Motivation für eine Zusammenarbeit auf 2 Fakten beruhend: 1) Die nicht zufriedenstellende Saison im Jahr davor und 2) eine interne Vereinsbefragung auf mehreren Ebenen, die einiges an Verbesserungspotential aufzeigte.

Zur Projektkoordination wurde nach dem Vorbild der Arbeitspsychologie eine Steuerungsgruppe installiert. Mitglieder waren Vertreter der jeweiligen Wirkebenen. Diese waren a) Management, b) Mannschaft c) Trainer. Moderiert wurde die Steuerungsgruppe von einem Sportpsychologen, der auch gleichzeitig Projektleiter war. Auf allen drei Wirkebenen wurden jeweils unterschiedliche SportpsychologInnen eingesetzt.

Ziel des Praxisworkshops ist es, den TeilnehmerInnen durch praktische Übungen und Simulationen Einblicke in die Projektstruktur, den Ablauf und in umgesetzte Interventionen zu bieten. Weiters werden gemeinsam die Herausforderungen eines derartigen holistischen sportpsychologischen Projektes reflektiert und diskutiert.

Thomas Kayer, Mag., Sportpsychologe – Obmann Verein Sportpsychologie Steiermark – Vorstandsmitglied Österreichisches Bundesnetzwerk Sportpsychologie - Geschäftsführer und Partner bei Groundwork AS

Christian Marko, Mag. Sportpsychologe – Wirtschaftspsychologe (i.A.) - ÖBS Mitglied – Mitglied Verein Sportpsychologie Steiermark – Mitarbeiter bei Groundwork AS

Supervision unterstützt die Entfaltung, Entwicklung und Verbesserung unseres beruflichen Handelns durch Anleitung zur Selbstreflexion. Dies gilt sowohl für Berufseinsteiger_innen als auch für erfahrene Berufskolleg_innen. Im Mittelpunkt der Supervision steht der Sportpsychologe bzw. die Sportpsychologin mit seiner/ ihrer Berufspersönlichkeit. Das eigene Handeln, die eigene Rolle und Haltung in den unterschiedlichen Beratungsprozessen und –settings der sportpsychologischen Tätigkeiten werden anhand von aktuellen Fallbeispielen und Fragestellungen der Teilnehmer_innen reflektiert. Dabei ermöglicht das Supervisionssystem durch die Metaperspektive, die es einnimmt, einen anderen Blick auf das sportpsychologische Beratungssystem. Dieser andere Blickwinkel der Supervision ermöglicht gemeinsam mit den Teilnehmer_innen neue Ideen und Ansätze für die dargestellten Fragestellungen zu entwickeln. Um die kurze Zeit bestmöglich nutzen zu können, sollten sich die Teilnehmer_innen im Vorfeld über ein Thema oder eine Frage aus der eigenen praktischen Arbeit Gedanken machen. In der Supervision entscheiden wir dann gemeinsam, welche der Anliegen bearbeitet werden. Gerade die Zusammenarbeit von Kolleg_innen aus unterschiedlichen Settings und unterschiedlichen Erfahrungsstufen kann dazu für alle gewinnbringend genutzt werden.

Monika Liesenfeld (Dipl. Psych., Dipl. Sportwiss.) ist seit 2005 hauptamtliche Sportpsychologin am Olympiastützpunkt Berlin (OSP). Hauptaufgabe ist die sportpsychologische Beratung und Betreuung von Spitzensportler_innen und Trainer_innen aus verschiedenen Sportarten zur Vorbereitung auf nationale und internationale Wettkämpfe. Die Schwerpunkte der sportpsychologischen Betreuung liegen in der hypno-systemischen und ressourcenorientierten Beratung bei Trainings- und Wettkampfdiskrepanzen sowie im mentalen Fertigkeitstraining zur Optimierung vorhandener Leistungspotentiale.

 

Einzelcoachings von Fußballern bzw. Trainern sind gängige Praxis sportpsychologischer Tätigkeiten in den Nachwuchsleistungszentren der deutschen Fußballvereine. Sein eigenes Verhalten und die Bezie-hung zum Sportler oder Trainer zu reflektieren ist i.d.R. kaum möglich, geht im Alltag unter oder muss bewusst extern gesucht werden. Für den Problemlöseprozess mit dem Klienten kann aber gerade diese Reflexion entscheidend sein. Kollegiale Beratung bietet die Möglichkeit unter Kolleginnen und Kollegen der Sportpsychologie sein eigenes Handeln im sportpsychologischen Beratungskontext zu überdenken und ggf. anzupassen.

Gerade die Beziehung zum Klienten sowie die auch teils unbewussten Gefühle, Haltungen und Einstel-lungen auf Seiten der Sportpsychologin/des Sportpsychologen/der sportpsychologisch beratenden Per-son können entscheidenden Einfluss auf das Fortkommen des sportpsychologischen Prozesses haben. Ein enger Fokus auf vermeintlich sportliche Probleme sowie eigene „blinde“ Flecken verschleiern die Sicht auf den Menschen und den damit teilweise verbundenen schwierigen und zähen Lösungsweg. Die Beziehung zum Klienten sowie die eigene Haltung der Beratenden/des Beratenden sollen daher bei die-ser Intervision in den Lernmittelpunkt gestellt werden. Der damit einhergehende Erkenntnisgewinn und die zunehmende Sensibilität für seelische Vorgänge können genauso zu einer befreiten Entwicklung eingefahrener Gespräche führen wie er auch der eigenen Psychohygiene dienlich sein kann.

Die Intervision anhand von Fallbeispielen richtet sich an Sportpsychologinnen und -psychologen sowie an sportpsychologische Beraterinnen und Berater, die in einem Nachwuchsleistungszentrum der Bun-desligen oder der 3. Liga tätig sind. Die Teilnahme ist auf zehn Personen begrenzt. Voraussetzung sind das Einsenden eines eigenen (schwierigen) Fallbeispiels sowie die Verschwiegenheit über das im Semi-nar von den Teilnehmenden Berichtete.

Ingo Goetze (40) ist studierter Diplom-Psychologe und Sportwissenschaftler. Zusätzlich verfügt er über die Fußballtrainer A-Lizenz. Er blickt auf mehr als 10 Jahre Arbeitserfahrung im Jugendleistungsfußball als Sportpsychologe, Koordinator und Trainer bei Bayer 04 Leverkusen, dem SV Werder Bremen sowie Holstein Kiel zurück. In der Saison 2018/19 betreute er als verantwortlicher Sportpsychologe die Li-zenzmannschaft von Arminia Bielefeld und arbeitet inzwischen als selbständiger Sportpsychologe.

 

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Als Sportpsychologen in Ausbildung, Lehre, Praxis und auch Forschung setzen wir uns aus den unterschiedlichen Blickwinkeln mit den Themen Stress, Burnout und Coping auseinander. Dabei gerät bei allem Wissen rund um diese Themen gelegentlich die Selbstfürsorge aus unserem Fokus. Diese benötigen wir jedoch, um in den unterschiedlichen, stressigen und hohe Leistungsanforderungen stellenden Kontexten unsere eigene mentale Gesundheit, einen klaren Blick für Zusammenhänge und eine Balance zwischen privaten und beruflichen Anforderungen zu behalten.

Dieser Workshop soll rund um das Thema Stressmanagement, Coping und Self Care sportpsychologischen Studierenden, akademischen Mitarbeitern sowie in der Praxis Tätigkeiten Raum und Zeit in einem sicheren Umfeld zu geben, um eigene Erfahrungen zum Thema Stress und Burnout zu reflektieren. Im Rahmen eines Supervisions-Settings, das Entfaltung, Entwicklung und Verbesserung des beruflichen Handelns durch Anleitung zur Selbstreflexion ermöglicht, soll dies gemeinsam von allen Teilnehmern erarbeitet werden. Als Leitfragen dienen:

1) Was verursacht bei mir Stress/Burnout?

2) Wie erlebe ich diesen?

3) Was sind Coping-Strategien?

4) Was für Lessons Learned habe ich aus der Erfahrung mitgenommen?

Um die kurze Zeit bestmöglich nutzen zu können, sollten sich die Teilnehmer_innen im Vorfeld anhand der vier Leitfragen Gedanken über ihren persönlichen Bezug zum Thema machen. In der Supervision entscheiden wir dann gemeinsam, welche der Erfahrungen wir gemeinsam diskutieren und reflektieren. Gerade die Zusammenarbeit von Kolleg_innen aus unterschiedlichen Settings und unterschiedlichen Erfahrungsstufen kann dazu für alle gewinnbringend genutzt werden.

Sebastian Brückner, Dr., ist bereits seit mehr als 10 Jahren in der angewandten Sportpsychologie tätig. Nach seiner Promotion an der University of Tennessee 2006 – eine qualitative Analyse der Erfahrungen deutscher Olympiateilnehmer – folgte eine intensive Praxisphase der Betreuung von Bundeskaderathleten insbesondere zum Thema „Duale Karriere“ und Weiterentwicklung von Trainingsansätzen gemeinsam mit Bundestrainern am Olympiastützpunkt Saarbrücken. In seinen Coachings, Seminaren und Vorträgen (auch international) stehen vor allem die Themen Selbstregulation und Selbstbestimmung aber auch Achtsamkeits- und Akzeptanzbasierte Ansätze im Mittelpunkt.

Achtsamkeit (engl. mindfulness) bezeichnet nach Kabat-Zinn (2005) die Fähigkeit, im augenblicklichen Moment ohne wertende Haltung zu leben. Er entwickelte das Mindfulness-Based Stress Reduction- Programm (MBSR), wodurch sich Achtsamkeit in Bereiche der westlichen Medizin, Psychotherapie und Gesundheitsförderung integrieren ließ (Michalak et al., 2018). Darüber hinaus sieht man heutzutage zudem das Potential, den gesunden Menschen durch Achtsamkeit zu stärken. Bei Erwachsenen zeigt sich u.a. eine Reduktion des täglichen Stressempfindens (Chin et al., 2019) und eine Verbesserung der Emotionsregulation (Davis & Hayes, 2011). Erhebliche Benefits lassen sich jedoch nicht nur bei Erwachsenen, sondern bereits im Kindesalter feststellen. So konnten positive Veränderungen der Exekutiven Funktionen und eine erhöhte Aufmerksamkeit gezeigt werden (Janz et al. 2019; McKeering, & Hwang, 2019). Ebenso bestätigen Jansen et al. (2016) in einem Review eine Steigerung der Aufmerksamkeits- und Inhibitionsleistung, der kognitiven Flexibilität und des Arbeitsgedächtnisses. Lyons und DeLange (2016) diskutieren Verbesserungen von Gehirnfunktionen, wie Selbstregulierung, die wiederum akademischem Erfolg zugeschrieben wird. Als vielversprechend erweist sich, bereits im Vorschulalter Achtsamkeit zu üben (Burke, 2009; Dawe, 2012; Weare, 2012). So werden Übungen und Sichtweisen früh etabliert, verinnerlicht und die Kinder profitieren länger davon. Prof. Dr. Davidson, Gründer des Center for Healthy Minds an der University of Wisconsin-Madison, entwickelte mit seinem Team ein achtsamkeitsbasiertes Freundlichkeits-Curriculum (FC) für Kinder im Vorschulalter. Flook et al. (2015) wiesen dessen positiven Einfluss auf bestimmte kognitive Fähigkeiten, insbesondere Flexibilität und Belohnungsaufschub und auf soziale, emotionale Kompetenz nach. Themen sind u.a. ein achtsames Körpergefühl, Gefühle im Allgemeinen, die Lösung von Problemen, Dankbarkeit, Fürsorge für alle Lebewesen und die Welt. Sowohl Kinderliteratur, als auch Musik und Bewegung sind integriert, um die Konzepte für die Kindergartenkinder besser zugänglich zu machen. Die Adaption auf die Bedürfnisse der Kinder, ermöglicht auf achtsame Weise, ihnen verschiedene Themen nahezubringen. Zu jedem Zeitpunkt haben deren aktuelle Bedürfnisse vor einer planmäßigen Durchführung der Stunden oberste Priorität. In einem laufenden Projekt führen wir das FC in zwei Kindergärten durch und untersuchen dessen Auswirkungen auf die Exekutiven Funktionen und die soziale und emotionale Kompetenz. Hierfür übersetzten und adaptierten wir die Version ins Deutsche, weil im deutschsprachigen Raum Achtsamkeitsprogramme für Kindergartenkinder bisher wenig verbreitet sind. Wichtig war es uns, das Curriculum auf unseren Kulturkreis (bestimmte Bücher, Lieder usw.) anzupassen. Um einen inhaltlichen Vorgeschmack auf den Workshop zu geben, gibt es z.B. eine Klangschalenübung. Hierbei ist es zunächst wichtig, dem Klang zu lauschen und die eigene Aufmerksamkeit nach außen zu bringen und erst, wenn der Ton nicht mehr gehört wird, diese nach innen zu richten und drei tiefe Atemzüge zu nehmen. Neben dem Freundlichkeitsgarten und Fürsorgeliedern integrieren wir auch Übungen aus dem Kinderyoga. Der Workshop dient einer vertieften Beschäftigung mit den einzelnen Stunden. Das eigene Ausprobieren vieler Übungen steht im Vordergrund. Ziel des Workshops ist es, Ihnen einen Einblick in das deutschsprachige Achtsamkeitsprogramm im Kindergarten zu geben, so dass Sie nach dem Workshop in der Lage sind, die Bausteine des FC in Ihrer eigenen Arbeit oder im Alltag mit Kindern verwenden zu können.

Christiane Portele, M.Sc.-Psychologin, ist Doktorandin am Institut für Sportwissenschaft an der Universität Regensburg bei Prof. Dr. Petra Jansen. Ihr Forschungsschwerpunkt ist Achtsamkeit. In zwei Kindergärten leitet sie das achtsamkeitsbasierte Kindness Curriculum. An der FAU Erlangen-Nürnberg absolvierte sie ihren Masterabschluss in Psychologie u.a. mit dem Schwerpunkt Ressourcen, Gesundheit und Wohlbefinden. Ihren Bachelorabschluss in Psychologie und ein Zusatzstudium „Mündliche Kommunikation und Sprecherziehung“ absolvierte sie an der Uni Regensburg.

Das motivationale Klima einer Mannschaft ist einer der vielen Faktoren, die Einfluss auf den sportlichen Erfolg, die Weiterentwicklung und das Wohlbefinden einer Mannschaft haben. Es hängt unter anderem mit der Zusammensetzung der Mannschaft sowie dem Führungsstil der TrainerInnen zusammen und situativen Faktoren, wie Schule oder Zeitpunkt in der Saison. Das motivationale Klima hat, im Zusammenspiel mit anderen psychosozialen Faktoren, Einfluss auf das Zielsetzungsverhalten, Wohlbefinden und die Wettkampfangst der SpielerInnen. Gemäß der Selbstbestimmungstheorie sollten TrainerInnen daher aufgaben- und leistungsorientierte Lernumfelder für ihre Mannschaften schaffen. Diese werden – im Gegensatz zu ergebnisorientierten Lernumfeldern –  der Erfüllung psychologischer Bedürfnisse nach Autonomie, Eingebundenheit und Kompetenz gerecht und sind so der Entwicklung von SpielerInnen dienlich.

Doch wie können sportpsychologische ExpertInnen systematisch mit dem motivationalen Klima einer Mannschaft arbeiten? Welche Zielgruppen ergeben sich an einem NLZ? Welche standardisierten Messmethoden gibt es für das motivationale Klima einer Mannschaft?;Wie können diese systemisch und dynamisch „aufgepeppt“ werden? Wie kann das motivationale Klima gefördert und nachhaltig begleitet werden?

Die Antworten zu diesen Fragen möchten wir in Kleingruppen erarbeiten, an beispielhaften Zielgruppen (TrainerInnen, SpielerInnen, sportl. Leitung) und unterschiedlichen Einstellungen gegenüber der Erhebung des motivationalen Klimas.

Roman Prinz (Moderation) ist verantwortlich für den Bereich Psychologie in der Direktion Nationalmannschaften und Akademie des DFB. Hier leitet er psychologische Themen, wie die Implementierung und Steuerung der psych. Betreuung der U-Nationalmannschaften oder Innovations- und Forschungsprojekte. Als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition, forschte er zuvor zu Entscheidungsfindung unter Unsicherheit und zur Visualisierung wissenschaftlicher Evidenz am Max-Planck Institut für Bildungsforschung in Berlin.

Andy Borchert, Sportpsychologe, M. Sc., ist seit sechs Jahren als hauptamtlicher Sportpsychologe im Nachwuchs von RB Leipzig beschäftigt. Parallel dazu arbeitet er für den DFB (aktuell U16-Junioren). Die Schwerpunkte seiner Arbeit liegen in der Beratung und Begleitung von Spielern, Trainern und Teams. Die Ausbildung zum systemischen Coach erweitert sein Methodenkoffer.

Nils Gatzmaga, Dr., arbeitet zurzeit als Sportpsychologe im Nachwuchs von RB Leipzig. Er betreut seit über 8 Jahren Spieler, Trainer und Teams im Leistungssport mit dem Schwerpunkt NLZ-Fußball. Durch seine Ausbildung zum systemischen Coach probiert er immer wieder dynamische und agile Methoden aus, um Teams, Spieler und Trainer „in Bewegung und Kommunikation zu bringen“.

Dino Poimann arbeitet zurzeit als Sportpsychologe an der Akademie von RB Salzburg und ist dort unter anderem verantwortlich für Persönlichkeitsentwicklung der Spieler sowie das Coaching von TrainerInnen und MitarbeiterInnen. Außerdem ist er als selbstständiger Berater im Spitzensport und der Wirtschaft unterwegs. Zu seinen Schwerpunktthemen gehören Führung, authentische Kommunikation, Mindfulness und Co-Kreation.

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Einen konstruktiven Umgang mit Verletzungen moderiert Leistungsvariablen und Entwicklung bei (jungen) Athleten und Athletinnen. Deren Umgang und Kommunikation steht dabei oft im Mittelpunkt einer Beratung. Auf was ist also zu achten und welche Konstrukte nützen uns in der sportpsychologischen Beratung von Athleten und allenfalls ihrem Umfeld? Zu Beginn dieses Workshops sollen mögliche Problemfelder aufgezeigt werden, wie z.B. was bedeutet eine Verletzung in der (jungen) Sportkarriere? Welche psychologischen Knackpunkte gilt es zu beachten bei (jungen) Leistungssportler*innen in einer Verletzungszeit? In einem zweiten Schritt wird der Ego State Ansatz als hilfreiches Instrument vorgestellt, der insbesondere jungen Athlet*innen hilft, gleichzeitig emotional und kognitiv abgeholt zu werden bzw. dysfunktionale Haltungen bei sich zu erkennen und lernen, wie funktionale, der Genesung dienende Haltungen in den verschiedenen Verletzungsphasen eingenommen werden können. Dabei können individuelle Vorlieben und Ressourcen der Athlet*innen wie Humor, Phantasie, Leidenschaften sinnvoll genutzt und in den Dienst der Genesung gestellt werden.

Zentrale Inhalte:

- Umgang mit Verletzungen aus entwicklungspsychologischer Betrachtung von (jungen) Leistungssportlern bezogen auch auf ihre Persönlichkeitsaspekte

- Verschiedene Phasen einer Verletzung verstehen

- Der Ego-State Ansatz als mögliche Intervention bei Verletzungen der (jungen) Leistungssportlern darlegen und diskutieren

Katharina Albertin, Dr., Fachpsychologin für Sportpsychologie FSP, eidg. anerk. Psychotherapeutin. Sie arbeitet als selbständige Sport- und Leistungspsychologin und als Psychotherapeutin u.a. für Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Familien im Leistungssportkontext. Der Ego-State-Ansatz ist für sie schon lange eine Arbeitsparadigma geworden, da er das Comittment fördert und gerade für junge Klient*innen enorm hilfreich ist, da er ganzheitlich, phantasie- und humorvoll genutzt und einfach mit sportpsychologischen Methoden kombiniert werden kann.

Viviane Scherler ist Psychologin MSc. und Fachpsychologin für Sportpsychologie FSP. Sie begleitet als selbständige Sport- und Leistungspsychologin seit Jahren Leistungs- und NachwuchssportlerInnen in verschiedenen Sportarten. Sie sammelte u.a an namhaften Grossanlässen viel Erfahrung im Umgang mit Athlet*innen. Aus ihrer ersten Ausbildung der Sportphysiotherapie bildet sich dabei einer ihrer Schwerpunkte in Form von Umgang mit Verletzungen von Nachwuchs- sowie Leistungs-/Profisportlern ab.

„Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf!“ Dieses afrikanische Sprichwort beinhaltet schon viel davon, dass es mehrere Personen im Umfeld braucht, die Stärke aus dem WIR kommt (Omer, H. & Schlippe, A. 2010) und eine vielschichtige Entwicklung nur im WIR möglich ist. Das WIR in Form von Netzwerken, Unterstützungskreisen sowie Bündnissen ist keine Option, sondern aus meiner Sicht gibt es keine Alternative dazu. Um als Sportpsychologe/in bestmöglich zu arbeiten brauchen wir Rückhalt sowie Unterstützung von und Austausch mit anderen und auch Reflexion, um Sportler/innen optimal coachen zu können. Ich als Sportpsychologe/in achte dabei auch auf mich, auf meine Stärke und Handlungsfähigkeit! So fühle ich mich als Sportpsychologe/in gut im Netzwerk aufgehoben, zugehörig sowie geschützt, bleibe selbstwirksam und auch reflektiert. Ich als Sportpsychologe/in coache Sportler/innen, Trainer/innen, Vereine und Verbände, um gemeinsam den Nutzen vom WIR im System herauszuarbeiten. Dieser Nutzen kann vielfältig sein. Trainer/innen werden in ihrer Position gestärkt, es geht um die Vorbeugung von Burnout, das Miteinander und die jeweiligen Ressourcen stehen im Vordergrund, die Sportler/innen können sich in einem solchen System und Umfeld optimal entwickeln. Das WIR-Gefühl fördert die Geschlossenheit, Verbundenheit, aber auch die Entschlossenheit im Tun. Es erhöht sich das Vertrauen untereinander – was bedeutet, sich gegenseitig immer wieder eine gute Absicht zu unterstellen. Vor allem gilt dies in der Zusammenarbeit mit den Eltern der Sportler/innen. Sportler/in, Eltern, Trainer/in, Vereine und Verbände sitzen quasi im selben Boot – Diese Tatsache verbindet!

Ein Schulterschluss sowie tragfähige Bündnisse im System zur Stärkung aller Beteiligten lassen eine optimale Potentialentfaltung sowie Leistungsentwicklung zu. Diese Allianzen sind ein Prozess. Beharrliches Gestalten der Beziehung, gegenseitige Wertschätzung und Respekt, Gleichwürdigkeit, Präsenz, Transparenz sowie Einladungen zum WIR führen dazu, dass sich eine Kultur des Miteinanders entwickelt. (Schönangerer, W. & Steinkellner, H. 2017) Das gibt Sicherheit im Tun, im Trainingsalltag und speziell in herausfordernden Situationen, die es immer wieder zu meistern gilt.

Simon Brandstätter, Mag., geboren in Klagenfurt, wohnhaft in Wien. Studium der Psychologie - Uni Wien, Klinischer und Gesundheitspsychologe (Sportpsychologe), Arbeitspsychologe, AMS-Trainer, Coach für Neue Autorität, UEFA B-Lizenz als Fußballcoach! Referent in der Bauwirtschaft, im Sport (ÖFB – Sportpsychologe 2011-2018, BSPA, flexyfit academy, Sportverbände) und anderen Bereichen (BVA, PH Wien, Universität für Bodenkultur, DABEI,…). Seit 1.10.2018 Mitarbeiter des ÖBS in Wien

Spätestens seit dem Bestseller „Mindset: The New Psychology of Success“ von Carol Dweck (2006) ist das growth mindset in aller Munde. Für Sportler kursieren zahlreiche Grafiken in den sozialen Medien, die die Hauptpunkte des growth mindset anschaulich illustrieren und vereinfacht die Unterschiede zwischen fixed und growth mindset darstellen. Die Vereinfachung, die das growth mindset durch die Integration mehrerer Theorien bietet, kann aus meiner Erfahrung gut als Einstieg für ein Elterncoaching oder Elternworkshops genutzt werden. In diesem Workshop will ich mit den interessierten Kollegen erarbeiten, wie ein solcher Elternworkshop gestaltet werden kann, und Erfahrungen im Umgang mit der Theorie des growth mindsets austauschen. Als Diskussionsgrundlage dient eine Präsentation, die von mir für Elternworkshops bereits genutzt wurde. Dabei werden grundlegende Verhaltens- und Erziehungsmuster hinterfragt und überlegt, welche elterlichen Verhaltensweisen die Entwicklung eines growth mindsets bei Kindern begünstigen können. Im Workshop sollen neben den Chancen der Mindset-Theorie jedoch auch die Grenzen des Ansatzes diskutiert werden. Beispielsweise könnte die Individualisierung von Fehlern (Rustin, 2016), anders als es die ursprüngliche Theorie von Dweck (2006) prognostiziert, Druck und Stress erzeugen. Deshalb sind die Auswirkungen des Mindset-Ansatzes auf die Leistung und das Wohlbefinden des Kindes differenziert zu betrachten, da es auch durchaus schädlich sein kann, wenn der Ansatz unreflektiert eingesetzt wird.

Markus Gretz, (31), ist seit 15 Jahren Basketball-Jugendtrainer und hat im Bachelor Sportwissenschaften und Psychologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena studiert. Anschließend erfolgte ein Wechsel an die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo er den Master in Angewandter Sportpsychologie absolvierte. Seit 2016 ist er hauptamtlicher Jugendtrainer bei den scanplus baskets Elchingen, arbeitet als sportpsychologischer Experte (asp) und bloggt für www.die-sportpsychologen.de.

Wir begegnen der Angst in sehr unterschiedlichen Ausprägungen in der Zusammenarbeit mit Sportler/innen und Trainer/innen. Oftmals ist dies auch der erste Auftrag, der/die Sportpsycholog/in möge für den Betroffenen einen Weg finden, dass er oder sie einen Umgang mit der Angst erlerne. Sei es Angst vor Nichterreichung von gesteckten Zielen, Angst, aus sozialen Bezügen zu fallen oder Angst, sich oder andere zu enttäuschen. Und viele Sportler/innen haben schon die Erfahrung gemacht, dass je mehr sie sich bemühen, schlechte Erfahrungen zu verhindern, desto gehemmter und blockierter die Leistung. Man möchte meinen, es handle sich um einen Teufelskreis (Engleder, 2012).

Wann immer wir uns mit Ängsten befassen, sollten wir uns auch mit den Auslösern beschäftigen und ihnen den Schrecken nehmen. Es ist für den/die Sportler/in Realität, dass Situationen im Wettkampf nicht hundertprozentig kontrollierbar sind. In dieser letztlich anzunehmenden Unsicherheit bewegen wir uns. Und eine Waffe gegen blockierende Ängste ist die Fähigkeit, Leistung passieren zu lassen und nicht kontrollieren zu wollen (Längle, 2004). Der Workshop möchten einen Einblick schaffen in die existenzanalytische Haltung in der Arbeit mit Spitzensportler/innen, wo der Fokus stark auf einem Passierenlassen liegt und Methoden zur Anwendung kommen, bei denen der/die Sportler/in letztlich trotz unsicherer äußerer Bedingungen in sich Halt finden soll.

Andrea Engleder, Mag., Sportpsychologin, klinische und Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin (Existenzanalyse). Weiterbildungen in Paar- und Traumatherapie und Kinder und Jugendlichenpsychotherapie (in Zertifizierung). Leitung der sportpsychologischen Koordinationsstelle Wien des Österreichischen Bundesnetzwerks Sportpsychologie (ÖBS). Schwerpunkte: Rückschlag-, Kampf- und ästhetische Sportarten, klinisch-psychologische Fragestellungen, Gewalt, Nachwuchsleistungssport und Trainer/innenberatung.

 

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